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Slowfix Interviewt ...
Hallo Anne, hallo Thomas,
Eure ersten internationalen Meisterschaften, die Europa-Meisterschaften der Senioren-III-Standard-Klasse in Cambrils, Spanien, liegen hinter Euch.
Sicherlich eine spannende, aber auch anstrengende Zeit. Für viele Turniertänzer bestimmt ebenfalls auch ein Ziel dies einmal live erleben zu dürfen. Dies bringt aber auch die ein oder andere Frage mit sich, welche ich gerne mit Eurer Hilfe beantworten möchte.
1.) Wie intensiv habt Ihr Euch auf dieses Event vorbereitet ?
Zusätzlich zu unseren normalen Trainings-Einheiten (3-4 x/Woche) haben wir ca. 2 Wochen vor der EM an einem Vereins-Trainings-Camp unseres Trainer-Paares Angela und Cornel Müller teilgenommen. Hier wurde in Gruppenstunden Technik geschult, dazu kamen für den Konditions-Aufbau mehrere Endrunden-Trainings-Einheiten.
Als individuelles Paar-Training bekamen wir im Camp, aber auch in den Wochen davor, mehrere Privatstunden wo es nicht darum ging neue Figuren oder Abläufe zu erlernen, sondern überwiegend die „Tanz-Qualität“ der vorhandenen Folgen auf ein höheres S-Klasse-Niveau zu verbessern.
2.) Wie unterscheidet sich die Stimmung auf einer Europa-Meisterschaft von nationalen Wettkämpfen ?
Bedingt durch die deutlich größeren Start-Felder (nationale Turniere haben oft nicht mehr als 12 Paare, „Gross-Turniere“ wie „OWL tanzt“ meist 20-30 Paare, bei unserer EM dagegen waren es über 60 Paare, bei der WM vor 2 Jahren in Bremen knapp 200 Paare !!) ergibt sich aus der Notwendigkeit eines erheblich größeren Austragungsortes, der viel größeren Tanzfläche (mit bis zu 12 Paaren pro Heat) und der längeren Turnier-Dauer (in Cambrils 5 Turnier-Runden mit bis zu 5 „Heats“ pro Runde (Heat=Anzahl der Wiederholungen eines Tanzes bis z.B. alle Paare den Langsamen Walzer in der Vorrunde getanzt haben)) eine ganz andere Organisation und Atmosphäre im Gegensatz zu einem „kleinen“ nationalen Turnier. Das Miteinander im Turnier-Sport der Senioren-III-Klasse ist häufig von Spass am Tanzen, Freundschaft und Rücksichtnahme geprägt, bei internationalen Turnieren und hier insbesondere bei einer EM tritt verständlicher-weise der Ehrgeiz der Spitzen-Paare deutlich mehr zu Tage.
Weitere Faktoren an die man sich gewöhnen muss, ist das deutlich straffere Zeit-Management, die Moderation in 2 Sprachen (meist Englisch und die Landes-Sprache), aber z.B. auch der Zeitaufwand vor dem Turnier, bedingt durch Hair-Styling und Make-up der Dame.
Solche Termine liegen manchmal auch um 4.30 Uhr morgens.
3.) Wie nervös seid Ihr beim Betreten der Tanzfläche gewesen ?
Nervös waren wir Beide eigentlich nicht, ich würde die Emotionen eher als „positiv aufmerksam oder angespannt“ bezeichnen. Dies lag sicher zum Einen an der Tatsache, dass wir bereits seit gut einem Jahr auch an internationalen Turnieren teilnehmen (z.B. Antwerpen, Blackpool, Wien), zum Anderen aber sicher auch daran, dass wir im Gegensatz zu den Spitzen-Paaren keine „Top-Ergebnis-Ansprüche“ hatten, die es zu rechtfertigen gab. So stand das „Genießen“ des Turniers im Vordergrund.
4.) Gab es bei diesem Event einen Moment, den Ihr als den eindrucksvollsten empfunden habt ?
Den Einmarsch der Nationen mit der offiziellen Eröffnung der EM und der Präsentation der Teilnehmer.
5.) Ihr tanzt in der höchsten Klasse, der S-Klasse. Was unterscheidet die Finalisten und Halbfinalisten der EM von den übrigen Teilnehmern ?
Vereinfacht könnte man sagen die hohe Qualität der gezeigten Tänze in Kombination mit der nötigen Kondition dies in 5 oder 6 Runden zu wiederholen, sowie die große Routine auf „Störungen“ und „Hindernisse“ (was bei 12-14 Paaren auf der Fläche nahezu unvermeidbar ist !) immer eine souveräne und scheinbar geplante Alternative der Tanzfolge parat zu haben. Wenn man bedenkt, dass selbst Paare, die es maximal „nur“ bis ins Halbfinale schaffen, bis zu 6 Tage/Woche und dann 2x/Tag trainieren, dann erahnt man den Aufwand, der notwendig ist, um diese Spitzen-Leistungen erreichen zu können.
6.) Die Beurteilungen der Wertungsrichter liegen nicht selten weit auseinander. Wie geht Ihr damit um, bzw. welche Meinung habt Ihr dazu ? Welche Ratschläge könnt Ihr anderen Turnierpaaren geben ?
Es ist sicher ein Unterschied, ob man bei nationalen Turnieren mit 5 Wertungsrichtern „inhomogen“ bewertet wird, oder bei inter-nationalen Turnieren mit 9 oder 11 Wertungsrichtern. Außerdem ist die Zielsetzung beim jeweiligen Turnier relevant. Bei unseren Turnieren in der A-Klasse war das Ziel einen „Treppchen-Platz“ zu erreichen oder sogar das Turnier zu gewinnen, da hat die o.a. „inhomogene Wertung“ eine recht große Relevanz. Nach unserem Aufstieg in die S-Klasse ist hier die Leistungs-Dichte eine völlig andere, sodass unser aktuelles Ziel derzeit lautet möglichst jeweils die nächste Turnier-Runde zu erreichen. Da fällt es für uns bei internationalen Turnieren mit bis zu 11 Wertungsrichtern (noch) nicht ins Gewicht, ob unser Tanzen 2 oder 3 Wertungsrichtern nicht gefällt, man kann trotzdem genug Kreuze für die nächste Runde bekommen. Für Paare die schon im Mittelfeld liegen oder gar Spitzen-Paare sieht dies natürlich ganz anders aus.
Auch wir sind manchmal frustriert, wenn die Wertungen nicht so ausfallen, wie wir sie uns erhofft oder gar erwartet haben. Aber es gibt 2 Ratschläge unseres Trainer-Paares, die uns sehr geholfen haben besser damit umzugehen. Zum Einen der Tip sich nicht über „nicht bekommene Kreuze“ zu ärgern, sondern die erhaltenen Kreuze wertzuschätzen, denn diese bedeuten strenggenommen, dass der jeweilige Wertungsrichter uns in diesem Tanz in der nächsten Runde wiedersehen möchte. Also geht es darum hiervon genügend in der jeweiligen Turnierrunde zu „sammeln“. Insbesondere wenn man in der S-Klasse angekommen ist, dann ist diese Denkweise motivieren-der als über jeden einzelnen Wertungs-Richter nachzudenken.
Zum Anderen ist es sehr hilfreich, sich regelmäßig auf Turnieren und auch im Training per Video aufnehmen zu lassen. Denn nicht selten stellt man beim Betrachten der Aufnahmen fest, dass das eigene „gefühlte“ Tanzen leider noch nicht wirklich mit der nach außen sichtbaren Qualität übereinstimmt (und somit das „fehlende Kreuzchen“ des Wertungsrichter vielleicht doch erklärbar ist)! Aber es hat auch etwas Gutes: Manche Fehler im Turnier, die einem gruselig vorgekommen sind, sehen im Video gar nicht so schlimm aus, wie sie sich angefühlt haben. Dies reduziert das Unwohlsein in Bezug auf noch nicht ausreichend sicheren Passagen der eigenen Turnier-Folgen !
7.) Hat sich Euer Blick auf den Turnier-Sport durch die neuen Erfahrungen bei der EM in Spanien verändert ?
Unsere Einstellung und unser Umgang mit dem Turnier-Sport hat sich teilweise deutlich geändert, aber nicht erst durch die Teilnahme an der EM, sondern bereits seit gut einem Jahr durch die wiederkehrende Teilnahme an internationalen Turnieren. Die Erfahrungswerte auf und neben der Tanzfläche bei diesen großen Turnieren waren für uns dann schon in der A-Klasse bei nationalen Turnieren sehr hilfreich. Der „Stress-Level“, insbesondere bei kleineren Turnieren, sinkt deutlich und man wird auf und neben der Tanzfläche deutlich abgeklärter. Außerdem betrachten wir inzwischen die internationalen Turniere nicht nur als „Tanz-Sport“, sondern als Event, denn neben der eigentlichen sportlichen Aktivität gibt es viele Dinge, die eine solche „Tanz-Reise“ bereichern: Treffen mit befreundeten Paaren, Reise-Erfahrungen in ein anderes Land, Spitzen-Sport in „hoher Konzentration“ hautnah erleben zu dürfen und vieles mehr.
Wir können nur jedem A- oder S-Paar empfehlen an solchen Turnieren einmal persönlich teilzunehmen, es ist ein tolles im Gedächtnis bleibendes Erlebnis.